Gestern stand ich mit meinem Schatz vorm Flughafen-Terminal. Vor uns hielt ein Auto. Eine junge Frau und ein junger Mann stiegen aus. Der junge Mann (Sonnenbrille, Dreitagebart), den ich zuerst kaum beachtete, schulterte seine Sport-Tasche und verabschiedete sich von der Frau. Erst als er an uns vorbei Richtung Departure marschierte, sah ich dass es Jens Jeremies war. Zwei Meter neben uns stand ein älterer Herr. Als Jeremies an ihm vorbeigeht, fängt er an mit lauter Stimme zu rufen:
“Ja, der Jeremies! Grias di Jeremies!”
“Servus”, sagt der Jeremies und marschiert weiter.
“Habts ihr Tschämpiens-Lieg?” ruft ihm der Mann hinterher.
“Na”, sagt der Jeremies ohne sich umzudrehen und entfernt sich weiter. Er winkt der Frau zu, die mit dem Auto an ihm vorbei fährt.
Der Mann schaut sich um, ob auch jemand bemerkt, dass er mit dem Jeremies redet. Er überlegt. Dreht sich wieder zu Jeremies. Der ist schon gute zehn Meter weit weg. Zeit für den Mann, vertraulich zu werden.
“Jeri!” schreit er ihm hinterher. “Jeri!”
Jeri dreht sich kurz um.
“Ja?”
“Wo fliegst denn hi, Jeri?”
“Wir haben Länderspiel” sagt der Jeri.
“Aha, ah so” schreit der Mann. Wahrscheinlich will er noch weiter mit Jeri plaudern, doch der wird von einer automatischen Schiebetür verschluckt. Der Mann schaut und überlegt.
Und der Jeremies wird erleichtert aufgeatmet haben, hinter der Schiebetür. Aber wer weiß, ob jenseits der vermeintlich rettenden Schwelle nicht schon die nächsten Geier gewartet haben.