Montag, 20. Mai 2002

Es geht mir manchmal so, dass sich das Bild wandelt, das ich von Menschen habe, die mir anfänglich unsympathisch sind. Gerade diese Unsympathie, diese Gegensätzlichkeit von Charakteren und Denkweisen, weckt eine gewisse Neugier. Man beobachtet, findet Reibungspunkte, macht sich seine Gedanken, entdeckt Facetten, die man nicht erwartet hätte. Und wie von Geisterhand verschieben sich die Mosaiksteinchen von alleine an eine andere Stelle und das Bild wird klarer.
Auf der anderen Seite besteht eine tiefe Verbundenheit zu Menschen in meinem nächsten Umfeld, eine magische übereinstimmung ganz tief drin, aus der man Kraft schöpft, an deren Ufer man die Ruhe und Ausgeglichenheit findet, die es einem ermöglicht, an beiden Dingen zu reifen: An der Gleichheit ebenso wie an Gegensätzen.
Kein Mensch ist so, wie man ihn sich vorstellt, und jeder Mensch verändert sich ununterbrochen.
Wer das wundersame Schauspiel der Mosaiksteinchen nicht sieht, dessen Seele hat aufgehört zu atmen.

 


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