Donnerstag, 30. August 2007

Das Verhältnis nach unserer Trennung war schwer zu beschreiben. Nachdem wir uns dazu entschlossen hatten, die Geschichte zu beenden, folgten zehn Tage kühler, abweisender Distanziertheit meinerseits. Ich konnte nicht anders, denn in mir brannte eine abgrundtiefe, jegliche Art positiven Gefühls im Keim erstickende Enttäuschung, die mein gesamtes Inneres erfüllte. Sie reagierte auf meine Abneigung verletzt. Die Gleichgültigkeit, mit der ich ihr begegnete, trieben ihr jedesmal Ströme von Tränen über die Wangen und über den Hals, und ich sah mich hin und her gerissen zwischen Zweifeln, schlechtem Gewissen und einer beängstigenden Art von Genugtuung: einer wohltuenden Gewissheit, daß ihr das alles so zusetzte. Und dennoch tat es mir jedesmal leid, ihr mit meinem Verhalten so weh zu tun.

„Ich hoffe nur,“ sagte sie dann des öfteren und wischte sich mit einem durchtränkten Taschentuch die Tränen vom Gesicht, „ich hoffe nur, daß wir uns irgendwann einmal wieder in die Augen sehen können, daß wir irgendwann einmal wieder ein normales Verhältnis haben werden. Und vor allem hoffe ich, daß du mich irgendwann einmal verstehen wirst.“
„Glaube mir, ich verstehe dich“, pflegte ich zu antworten, und ich verstand sie wirklich, auch wenn ich sie eigentlich hassen sollte für den Schmerz, den sie mir zugefügt hatte. Aber ich war schon immer zu weich, zu verständnisvoll. Die Erfahrung, jemanden zu hassen war mir völlig fremd. Das hatte mir schon öfter Probleme bereitet. Auch Anerkennung gebracht, sicher, aber was bedeutet das schon im Endeffekt? Ich hatte zuviel Gefühl, das würde immer mein wunder Punkt sein.

Nach dieser Phase der unterkühlten Reserviertheit folgte eine zaghafte Annäherung. Meine Wunden schlossen sich, es gab Dinge zu regeln, vor allem musste ich schnellstens eine Wohnung für mich finden. Das Wissen um ihre innere Zerrissenheit veranlasste mich nun immer häufiger dazu, sie in den Arm zu nehmen oder ihr den Kopf zu streicheln, wenn sie zum unzähligen Male in Tränen ausbrach. Ich flüsterte ihr tröstende Worte zu, stets darum bemüht, die nötige Unverbindlichkeit zu wahren. In solchen Momenten fühlte ich mich wie ein guter Freund, und das machte mir Angst, denn ich wollte nicht nur ihr guter Freund sein. Ich wollte sie. Das Gefühlschaos fing dann jedesmal von vorne an. Ich wurde wieder abweisend, das tat ihr weh, was mir leid tat, und so weiter und so fort.

Wir waren fast jeden Tag unterwegs, sie mit ihren Freundinnen, ich mit meinen Freunden. Ich dehnte die Touren so lange als nur möglich aus, es war mir ein Graus, in die noch gemeinsame Wohnung zurückzukehren, sie war erfüllt von unangenehmen Gefühlen, schmerzgetränkt, düster, trostlos. Diese im Grunde genommen so schöne Wohnung, die wir gemeinsam zu einem Friedhof glücklicher Erinnerungen gemacht hatten, sie wurde mir zur Last.

Und an solch einem Tag, an dem ich wie so oft spät abends mit einem mulmigen Gefühl in der Brust in die noch gemeinsame Wohnung schlich, geschah es dann.

 

Reaktionen

#1: Kommentar von bored

ui was persönliches (?) .ja wenn man gefühlsmässig wirklich tief drinsteckt in soner sache ist das immer recht unschön für beide seiten.negative gefühle haben ihre brechtigung und müssen durchgelebt werden . aber irgendwann,wenn möglich ist es ratsam
seinen eigenen inneren frieden wieder herzustellen indem man mit sich selbst -vor allem - und wenn ,möglich auch mit dem andern innerlich zu einem frieden kommt indem man das gute behält und das schlechte ernsthaft verzeit .wobei es nat auf das schlechte ankommt ob das zu verzeihen ist.
haken drunter und gut.

erinnerungen bleiben immer .braucht man auch nicht vergessen wollen ,sie sind bestandteil des lebens.
frieden damit gemacht zu haben heisst sich erinnern zu können
ohne wut, ewigem nachtrauern und chaos dabei zu empfinden.
das ist gut für einen selbst und öffnet die sicht nach vorne.

nur nicht das negtative später auf eine neue beziehung mit übertragen !
keine/r kann was für die fehler der vorgänger.
und jeder mensch ist anders.

na und wie gehts nun weiter ?
ein kleines revial im schlafzimmer oder wirds blutig ? ;-)

bin gespannt ...

:-)

#2: Kommentar von Martin

Im Schlafzimmer - aber das wird hier nicht veröffentlicht, die Popcornmaschine ist ein jugendfreies Blog ;) Aber blutig könnte es natürlich auch werden. Du hast ein gutes Gespür für Geschichten. Oder sprichst du aus Erfahrung? ;)

Bei dem Text handelt es sich um einen kurzen Auszug aus einem meiner zahlreichen Versuche, ein Buch zu schreiben - wie immer erfolglos (daher auch der Titel). Hätte ich so viele Bücher geschrieben wie ich angefangen habe, dann könnte Hemingway einpacken ;) Aber insofern ist der Text natürlich autobiographisch angehaucht. Ich wollte mal wieder einen persönlicheren Text ins Blog bringen, früher hatte ich viel mehr davon, aber in letzter Zeit fehlt mir die Inspiration. Deswegen dachte ich mir, ich verwende ein paar Fragmente aus älteren Geschichten.

Du hast natürlich recht mit dem was du schreibst. Solche Erfahrungen muss man verarbeiten und abschließen. Frieden mit sich selbst und dem anderen finden, um offen und unbefangen in die Zukunft zu gehen. Aber die Geschichte spielt in den 90ern, der Protagonist ist erst Mitte 20, und er wird sicher noch viel lernen im Leben ;)

#3: Kommentar von bored

ohje ... hehe..ok. jetzt da ich weiss dass es nicht ganz sooo persönlich ist erspar ich dir derartige kommentare *gg*.

naja ein gespür für geschichten..ich schreib ja selber .
zudem schreibt das leben ja auch seine geschichten und wir leben .
;)

ein buch schreiben ... ja. hatte ich auch schon in erwägung gezogen.aber allein schon längere geschichten sind ein problem,weil ich irgendwas aus einem bestimmten moment raus beginne und irgendwann den faden verliere oder mich selbst dabei darin und anderntags weiterschreiben ,da hab ich schon bezug verloren.ein bestimmtes thema allerdings gäbe es nur das wäre sehr umfangreich und es müsste wirklich gut geschrieben sein.
ich hab da ein literarisches vorbild nur leider ist dass mass recht hoch was die umsetzung betrifft - trotzdem nicht völlig unmöglich .naja.vielleicht.irgendwann mal ;)

da ich aber auch gern lese
und du einen angenehmen schreibstil hast
hoff ich nat dass es hier bald mehr fraktmente zu lesen gibt ;)

#4: Kommentar von Martin

Freut mich dass es dir gefällt. Das ein oder andere wird sicher noch kommen. Mal mehr und mal weniger autobiographisch. Manche Sachen die man schreibt stimmen fast 1:1, und manchmal benutzt man nur ein kleines wahres Ereignis, und baut sich eine Geschichte drumherum. Die Interpretationen kann man dann dem Leser überlassen ;)
Ich frage mich bei meinen Lieblings-Schriftstellern z.B. oft, wieviel wohl wahr ist an ihren Geschichten, und wieviel nur ersonnen ist.

Stimmt, dein Lieblingsbuch hattest du schon mal erwähnt. Das war doch das mit dem Krankenhaus? Das einzige was ich in der Richtung mal gelesen habe ist “Veronika beschließt zu sterben” von Paulo Coelho. Hat mir ganz gut gefallen, aber ist eigentlich nicht so mein Thema.

Mit den längeren Geschichten selbst zu schreiben, geht es mir wie dir. Ich glaube das meiste was ich mal geschafft habe waren 30 Seiten ^^ Ich hatte oft sehr kreative Phasen, die dann aber auch schnell wieder in einer Schreibblockade endeten *g*


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